Männertreff “Neuer Rhoi-Adel”

von Jörg Wilhelm, Gemeindepädagoge des Dekanats Groß-Gerau – Rüsselsheim

Der "Seniorentreff zur Fähre" am Altrheinufer als eines der aktuellen Zentren für Männer in der Region? Ja und Nein, aber das möchte ich gerne näher erläutern und dabei den evangelischen Männertreff "Neuer Rhoi-Adel" vorstellen, der sich dort trifft.

Ich bin Gemeindepädagoge im evangelischen Dekanat Groß-Gerau und dort mit einer Teilzeitstelle in der Arbeit mit und für Männer tätig - potentiell mit Blick auf alle Kommunen und Kirchengemeinden und nicht nur bezogen auf Rüsselsheim, wo mein Büro im Katharina-von-Bora-Haus ist. Neben Beratungsangeboten für Männer und größeren Projekten, wobei ich u.a. Selbstverteidigungskurse für ältere Männer und die Teilnahme an verschiedenen Interkulturellen Wochen nennen möchte, liegt mein Schwerpunkt in direkter Verkündigungsarbeit. Darunter verstehe ich Gesprächsangebote an Männer, sei es im Rahmen von Gesprächskreisen, Männergruppen, Männertreffs, außerdem Stände und Aktionen in der Öffentlichkeit sowie Gespräche zu bestimmten Themen wie Einsamkeit, Pflege und Männer als Betroffene von Gewalt.

Männerarbeit anzubieten ist kein Selbstläufer im Gegensatz zur Frauenarbeit und Frauengruppen und auch nicht unbedingt immer erfolgreich. So gibt es traditionell in fast allen Kirchengemeinden Frauengruppen und in den Kommunen starke Netzwerke von und für Frauen. Männergruppen hingegen haben Seltenheitswert, sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche und in Kommunen sowieso. Das ist nichts, was spezifisch für unsere Region ist, sondern es gilt überall in der EKD und in Deutschland, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Erfolgreicher sind z.B. Landeskirchen, die auf dieser Ebene noch hauptamtliche Mitarbeitende haben, was in der EKHN, also unserer Landeskirche seit vielen Jahren nicht mehr der Fall ist.

Auf der Suche nach geeigneten Orten und Kooperationspartnern bin ich unter anderem in Ginsheim gelandet und dort bei Michael Maurer. Er war damals selber auf der Suche und so haben wir uns 2024 schnell zusammengefunden und überlegt, was wir in Bezug auf Männerarbeit anbieten können. Zum einen war das dann eine Männernachtwanderung von Gründonnerstag auf Karfreitag im Jahr 2025, zum anderen die Planung eines Männertreffs mit den Namen "Neuer Rhoi-Adel", der sich an lokaler Historie orientiert. Der zweite Schritt war dann die Suche nach einem geeigneten Raum. 

Der Männertreff ist ein evangelisches Angebot, sollte sich aber potentiell an alle interessierten Männer richten und da bot es sich an, Kooperationspartner zu suchen. Gefunden haben wir die Seniorenarbeit der Stadt Ginsheim-Gustavsburg und Herrn Oliver Schmitt. Für den Treffpunkt "Fähre" ist die Seniorenarbeit zuständig und sie war sehr aufgeschlossen für Projekte wie den Männertreff und andere Angebote, so dass wir dort nun kostenlosen Zugang zu den Räumen haben, eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

In der ersten Phase des Männertreffs ging es im Jahr 2025 darum, geeignete Zeiten zu finden. Abwechselnd boten wir Vormittage und Nachmittage an, entschieden uns dann für Vormittage und einen 14tägigen Rhythmus, den wir seither haben in Absprache mit der Seniorenarbeit, in dessen Programm wir daher auch zu finden sind.

Was ist und was tut der Männertreff? Es ist ein Angebot an alle Männer, also nicht nur an Senioren und es ist auch nicht nur für evangelische Männer. Tatsächlich bietet die Vertraulichkeit des Treffs Männern die Möglichkeit, offener zu reden, zu plaudern, Kaffee zu trinken, aber eben unter Männern und auch mit Themen, die sonst vielleicht nicht besprochen werden. Die Gespräche verlaufen respektvoll, Inhalte werden im Gegensatz zu vielen anderen Männertreffs und Männergruppen nicht vorgegeben, sondern ergeben sich spontan oder werden von den Männern mitgebracht.

Der Männertreff "Neuer Rhoi-Adel" hat seit seinem Bestehen sehr viel Aufmerksamkeit erfahren bis hoch zur Politik, zu anderen Vereinen und Verbänden, aber auch bei vielen einzelnen Personen, Männer wie Frauen. Das ist ein wenig überraschend, verglichen mit so manch anderer Kommune, aber ein sehr positiver Aspekt, denn unter anderem zeigt es, dass Angebote für Männer sehr wohl Bedeutung haben und es bedauerlich ist, dass sich so wenige dann auch realisieren lassen. In Ginsheim-Gustavsburg hatte es Erfolg.